COVID-19: Zweite und Vierte Welle im Überblick

In Deutschland befinden wir uns derzeit in der „vierten Welle“ der COVID-19 Pandemie. Ich möchte einige Zahlen zur Pandemie in Deutschland aufbereiten und erkläre dabei Begriffe, die häufig – und manchmal ungenau – verwendet werden.

Ich nutze für die Darstellung Daten des RKI mit COVID-19 Zahlen bis einschließlich 05.12.2021 und Daten aus dem Zensus für Bevölkerungszahlen.

Bevor ich auf Zahlen zu sprechen komme, möchte ich aber gerne die fundamentale Unterscheidung zwischen SARS-CoV-2 und COVID-19 ins Gedächtnis rufen.

Auf Basis dieser Unterscheidung werde ich fortlaufend von „Positiven Tests“ und nicht „Infektionszahlen“ sprechen. Das RKI berichtet positive Tests, die von den Gesundheitsämtern gemeldet werden. Informationen zu Symptomen liegen nicht vor. D.h. eine Aussage darüber, ob Menschen krank sind, ist auf Basis dieser Daten nicht möglich, deswegen blende ich das aus.

In Deutschland leben laut Zensus (siehe oben) 83.166.711 Menschen. Natürlich verändert sich diese Zahl jeden Tag, aber ich nehme sie als Absprungbasis.

Von diesem Menschen hatten bisher 7,4% einen positiven Test auf SARS-CoV-2. (Zumindest, wenn man annimmt, dass keine Person zwei positive Tests hatte.)

Bis einschließlich 05.12. wurden 103.113 Tote mit positivem SARS-CoV-2 Testergebnis berichtet. Das sind 0,12% der Bevölkerung Deutschlands. Hier wird ein Dilemma der Pandemie greifbar. Lass folgende Schlagzeilen auf dich wirken:

  • Mehr als 100.000 Menschen mit COVID-19 gestorben!
  • 99,88 % aller Menschen überleben Pandemie!

Objektiv, bezogen auf die Datenbasis, sind die Aussagen identisch und wahr. Subjektiv liegen Welten zwischen den Aussagen. Es obliegt der Sorgfalt des Autors, genau so wie der Aufmerksamkeit des Lesers, Informationen angemessen zu verarbeiten.

Aus oben dargestellten Zahlen lassen sich Kennwerte berechnen, die seit Beginn der Pandemie verwendet und kommuniziert werden. Leider werden auch diese Werte meist eher undifferenziert verwendet. Es handelt sich um Inzidenz und Sterblichkeitsrate.

Die Betrachtung des gesamten Zeitraums ist spannend, betrifft jedoch nur eine hohe Flugebene. In den knapp 2 Jahren Pandemie haben sich viele Rahmenbedingungen verändert. Seit Anfang 2021 sind Impfstoffe gut verfügbar, die Teststratgie wurde immer wieder angepasst und das Virus hat sich verändert. Der „Wildtyp“ wurde von Delta abgelöst und nun schickt sich Omikron an das Ruder zu übernehmen.

Ich finde es spannend verschiedene Zeitbereiche der Pandemie miteinander zu vergleichen und habe mir dafür die zweite und vierte Welle ausgesucht:

In der Grafik sind Anzahl positiver Tests und Tote normalisiert dargestellt. So sind die sehr unterschiedlichen absoluten Zahlen vergleichbar. Allein diese Darstellung und der Vergleich der drei Wellen ist äußerst spannend. Die detaillierte Interpretation überlasse ich dem Leser.

Ich habe die 2. Welle (01.10.2020 bis 28.02.2021) und die aktuell laufende 4. Welle (01.08.2021 bis 05.12.2021) verglichen:

In der gesamten Welle 2 waren ungefähr gleich viele Menschen positiv auf SARS-CoV-2 getestet worden wie im bisherigen Verlauf der 4. Welle. Die 2. Welle erstickte sich aber über einen deutlich längeren Zeitraum als die 4. Welle.

Erfreulicherweise setzt sich der Trend der vielen positiven Tests bei den Todesfällen nicht durch. Die CFR sink von 3,11 % in der zweiten Welle auf derzeit 0,45%. Ein Grund dafür ist in den Daten zu suchen. Viele Todesfälle sind noch nicht gemeldet. In den RKI Daten ist bei Todesfällen immer ein Meldeverzug von knapp 1 bis 2 Wochen. Außerdem werden einige Menschen die derzeit auf den Intensivstationen liegen den Kampf um ihr Leben verlieren.

Dennoch wird die CFR in Welle 4 niedriger sein als in Welle 2. Worauf sich dieser Rückgang zurückführen lässt, ist anhand der vorliegenden Daten nicht erklärbar. Die Daten eignen sich aber dafür die Berechnung von Kennwerten zu veranschaulichen und zu erklären. Wenn wir vereinfachend und faktisch falsch annehmen, dass der Unterschied zwischen 2. Welle und 4. Welle nur durch die Impfung zustande kommt, lässt sich dadurch die Schutzwirkung der Impfung berechnen.

Auch bei RRR und ARR ist also wieder Transparenz und Sachlichkeit nötig, um die Kennwerte richtig zu interpretieren und einzuordnen und anschließend Entscheidungen zu treffen oder Maßnahmen zu ergreifen.

Gerade bei den heiß diskutieren Themen Impfpflicht und Kinderimpfung wäre eine Betrachtung der RRR und ARR je Altersgruppe spannend. Die Differenzierung von Welle 2 und Welle 4 werde ich mir in meinem nächsten Artikel anschauen.

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