COVID-19: Die Impfpflicht kommt, weil sie alternativlos ist

Die Anzeichen verdichten sich, dass ab Februar oder März nächsten Jahres (2022) eine allgemeine COVID-19 Impfpflicht eingeführt wird.

Im Frühjahr und Sommer diesen Jahres wurde dieser Schritt von nahezu allen Politikern Deutschlands kategorisch ausgeschlossen. Heute, im Dezember 2021, ist die Einführung einer Impfpflicht jedoch logisch und fast alternativlos. Diese Einschätzung beruht auf drei Gründen:

  1. Die Impfpflicht ist der logische nächste Schritt auf dem eingeschlagenen Weg
  2. Impfen ist eine wirtschaftliche Aktivität und vermittelt Selbstwirksamkeit
  3. Die Alternativen zur Impfpflicht sind deutlich weniger attraktiv

Im folgenden kommen die Überlegungen zu den Gründen

Die Impfpflicht ist der logische nächste Schritt auf dem eingeschlagenen Weg

In der ersten Hälfte des Jahres 2020 hat sich die grundsätzliche Strategie im Umgang mit der COVID-19 Pandemie herausgeschält. Einfach zusammengefasst ist diese Strategie: „Impfungen beenden die Pandemie und machen Lockdowns überflüssig“.

Nun gibt es sicherlich viele Details in der Umsetzung dieser Strategie, die man kritisieren und hinterfragen könnte. Auf höherer Flugebene betrachtet wurde die Strategie jedoch konsequent und erfolgreich umgesetzt:

  • Impfstoffe wurden in Rekordzeit entwickelt und zugelassen
  • Die nötige Infrastruktur und Versorgungslinien für Impfungen wurden aufgebaut
  • Die absolute Mehrheit der Bevölkerung Deutschlands ist geimpft

Leider ist die Pandemie damit nicht beendet, wie die aktuelle 4. Welle mit Rekord-Infektionszahlen und Intensivstationen an der Überlastungsgrenze zeigt. Lockdowns sind wieder im Gespräch, Kontaktbeschränkungen wurden verstärkt. Die zweite und dritte Welle ließen sich noch durch fehlenden Impfschutz erklären. In der aktuellen Situationen mit 70% Impfquote ist das weniger einfach.

Trotz Impfungen gibt es eine vierte Welle. Wie kann das sein und was lässt sich dagegen tun? Zwei Antworten werden hauptsächlich diskutiert:

  • Die Impfwirkung nimmt nach 6 Monaten ab, deswegen muss geboostert werden
  • Es sind noch nicht genug Menschen geimpft, wir müssen Ungeimpfte impfen

Für beide genannten Optionen – Boostern und Impfpflicht – bestehen erst seit kurzem die notwendigen Voraussetzungen um sie durchführen zu können. In der Mitte und zu Beginn des Jahres gab es weder genug Impfstoff, noch genug Geimpfte um sinnvoll über Boostern nachdenken zu können. Bevor wir Boostern sollten wir erst mal alle impfen die das möchten.

Gleiches gilt für die Impfpflicht. So lange es eher eine Impfstoff-Knappheit gibt und sich noch nicht alle haben impfen lassen, die das möchten ist es völlig unsinnig eine Impfpflicht zu diskutieren, die rechtlich schwer durchsetzbar und praktisch wirkungslos wäre, weil es weniger Impfstoff als Impfwillige gibt. Parallelerweise wurden Vereinfachungen für Geimpfte schon lange diskutiert, aber erst dann umgesetzt als wirklich jeder die Möglichkeit gehabt hatte, sich freiwillig impfen zu lassen.

Unter den gegeben Annahmen ist die Impfpflicht nur die logische Folge. Wenn Impfen der Ausweg aus der Pandemie ist, genug Impfstoff da ist, es eine vierte Welle und noch einen signifikanten Teil umgeimpfter gibt, dann ist die Impfpflicht einfach nur der logischer nächste Schritt der eingeschlagenen Strategie.

Dass diese Strategie beibehalten und nicht geändert wird, ist Fokus im zweiten und dritten Abschnitt.

Impfen ist eine wirtschaftliche Aktivität und vermittelt Selbstwirksamkeit

Grundsätzlich muss festgehalten werden, dass es psychologisch und politisch verdammt schwer, ja nahezu unmöglich ist, eine eingeschlagene Strategie grundsätzlich zu ändern. Psychologische Effekte wie kognitive Dissonanzreduktion, selbsterfüllende Prophezeiungen oder Sunken-Cost Effekte tragen dazu bei, dass systematisch an bereits getroffenen Entscheidungen festgehalten wird.

Auch politisch würde das kein Akteur und nur die wenigstens Menschen gut ertragen, wenn wir grundsätzlich von der „Rettung durch Impfung“ Strategie abweichen würden. D.h. es ist nachvollziehbar und erwartbar, dass die Strategie die Pandemie durch Impfung zu beenden bis zum letzten möglichen Schritt – also Impfpflicht und Booster-Impfungen für alle im 6-Monats-Rhythmus durchgezogen wird.

Andererseits gibt es auch ganz pragmatische Gründe, warum die Impf-Strategie so anziehend ist. Massen-Impfungen sind ein wirtschaftliches Unterfangen und erzeugen Wachstum. Impfstoff-Entwickler, Ärzte und Menschen die auf Aushilfsjobs angewiesen sind profitieren enorm von flächendeckenden regelmäßigen Impfungen. Die Entwicklung es Aktienkurses von Biontech und die aktuellen Geschäftszahlen untermauern diesen Aspekt. Aber auch für Menschen die sonst vielleicht als Kellner oder Veranstaltungshelfer Geld verdienen ist die Arbeit im Impfzentrum als Anmeldepersonal eine gute Alternative und schließt Lücken, die durch Lockdowns entstehen.

Ethisch ist das natürlich ein zweischneidiges Schwert. Wie viel Geld darf man mit furchtbaren Krankheiten verdienen? Ehrlicherweise muss man aber eingestehen, dass diese Frage nicht neu ist und auch in der Vergangenheit eher Profit- und wachstumsorientiert beantwortet wurde: Wenn es hilft und Menschenleben rettet, ist es völlig in Ordnung damit Geld zu verdienen – die meisten Menschen zahlen freiwillig recht hohe Summen für ihre Gesundheit.

Die Aufgabe der Impf-Strategie würde hier ein wirtschaftliches Loch schlagen, das nur schwer zu füllen ist.

Daneben ist es auch ein psychologischer Effekt, der impfen attraktiv macht. Einerseits ist „Impfen“ eine Tätigkeit die man aktiv planen, ausführen und kontrollieren kann. Diese Kontrollierbarkeit hilft extrem dabei die durch die Pandemie hervorgerufenen Ängste und Sorgen zu regulieren. Man kann etwas gegen seine Ängste tun, indem man sich impfen lässt. Dieses Erleben nennt man Selbstwirksamkeit. Am schönsten kann man diesen Effekt bei kleinen Kindern erleben, die herausfinden, dass man durch Drücken des Lichtschalters die ängstigende Dunkelheit vertreiben kann.

Psychologisch bedeutsam ist auch, dass Impfen technologischen Fortschritt verkörpert. Das gängige westliche Weltbild ist, dass die Natur etwas gefährliches, unkontrollierbares ist, das wir als Menschen bezwingen oder uns Untertan machen müssen. Der westliche Wohlstand beruht fast vollständig auf den Errungenschaften der Aufklärung und den folgenden Jahrhunderten wissenschaftlicher Forschung, Innovation und technischer Entwicklung. Das Heil in einer technologischen Errungenschaft wie einem Impfstoff zu suchen passt hervorragend zu diesem Weltbild.

Neben diesen Gründen für die Strategie „Rettung durch Impfung“ gibt es auch ausreichend Gründe die gegen Alternativen sprechen.

Die Alternativen zur Impfpflicht sind deutlich weniger attraktiv

Was sind die Alternativen zur Impfpflicht? Um das herauszufinden müssen wir zunächst anschauen, was durch Impfungen verhindert werden soll. Aus meiner Sicht sind das drei Hauptgründe:

  1. Impfungen sollen verhindern, dass Menschen an COVID-19 sterben
  2. Impfungen sollen verhindern, dass Krankenhäuser überlastet werden, weil Überlastung zu mehr Toten wegen schlechter Behandlung führt
  3. Impfungen sollen Lockdowns überflüssig machen

Fangen wir hinten an. Lockdowns und völlige Beschränkung von Kontakten sind eine einfache Möglichkeit um die Ausbreitung von SARS-CoV-2 und der folgenden COVID-19 Erkrankung zu verhindern. Es gibt zwei sehr grundlegende Probleme mit dieser Methode, weswegen sie nur zeitweise eingesetzt werden können und sollten.

Einerseits sind Lockdowns massive Eingriffe in die Lebenswelt jedes Einzelnen. Temporär und in Gefahrensituationen sind sie verargumentierbar. Mindestens mittel- bis langfristig sind die Kollateralschaden auf sozialer, wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Ebene einfach zu groß. Das ist den meisten Menschen klar und wird öffentlich stark diskutiert.

Was weniger häufig diskutiert wird, ist, dass Lockdowns zu einer endlosen Pandemie führen. Wenn durch Lockdown Infektionen verhindert werden (und es keine Impfungen gibt), dann entwickelt auch niesten Immunität gegen das Virus. D.h. das Risikopotential für die nächste Welle wird nicht reduziert. Alle Menschen sind potentiell durch Ansteckung gefährdet und können es weitergeben. Es muss nur ein Virus überleben und die nächste Welle könnte beginnen.

Die Alternative Lockdown zur Virusbekämpfung fällt also recht unattraktiv aus.

Aber was wäre, wenn man der Pandemie einfach ihren Lauf lässt? Das würde die Krankenhäuser ziemlich schnell überlasten und zu unnötigen Toten führen. Das „flatten-the-curve“ Narrativ hat genau das aufgezeigt und weltweit verbreitet: Wenn wir die Ausbreitung verlangsamen, können alle Kranken im Krankenhaus behandelt werden, was die Mortalitätsrate deutlich senkt. De-facto steuern wir in Deutschland weiterhin nach dieser Logik, weil z.B. die Verfügbarkeit von Krankenbetten eine Steuergröße für die Schwere von Einschränkungen sind.

Diese Interventionen zielen darauf ab den Zulauf auf Intensivstationen zu verringern. Eine Alternative wäre die Kapazität von Intensivstationen zu erhöhen. Dieses Unterfangen ist recht komplex und schwierig. Einerseits braucht es das richtige, medizinisch ausgebildete Personal, was anhand der nicht besonders guten Arbeits- und Verdienstmöglichkeiten in diesem Bereich (wenn man kein Arzt ist) vor allem kurzfristig schwer zu finden ist. Rechtliche Vorgaben und Abrechnungsmechanismen sind zusätzlich komplex und erschweren flexible Kapazitätssteuerung nach Patientenaufkommen. Außerdem müsste der Ausbau durch Investitionen angetrieben werden, die Kapazitäten aufbauen, die in Nicht-Pandemie-Zeiten nicht benötigt werden. Diese Kapazitäten müssten dann entweder abgebaut, oder weiter finanziert werden, was wirtschaftlich nicht lukrativ ist – vor allem, wenn unklar ist wie lange man sie benötigt.

Vermutlich aus diesen und anderen Gründen hat sich seit Beginn der Pandemie wenig bei den vorhandenen Krankenhaus-Kapazitäten getan. Tendenziell sind sie durch Gesetzesänderungen und die extremen Bedingungen für Arbeitende eher geschrumpft.

Bliebe also noch die letzte Alternative: Die Pandemie einfach laufen lassen, Krankenhäuser werden überlastet, Menschen sterben. Diese Alternative dürfte das Horror-Szenario für die meisten Menschen sein und fällt damit meist diskussionslos aus – mal abgesehen, von den Leuten die die Existenz des Virus leugnen.

Was nun folgt sind rein philosophische Überlegungen. Ich schiebe diese Anmerkung hier ein, weil ich mir gut vorstellen kann, dass diese Überlegungen bei vielen Lesern auf absolute Ablehnung und Empörung stößt. Wer sich darauf einlassen will, darf gerne weiterlesen. Allen anderen empfehle ich hier mit dem Lesen aufzuhören.

Tatsächlich wäre die Alternative „Pandemie einfach laufen lassen“ die natürlichste Vorgehensweise. Es gäbe vermutlich zwei oder drei Wellen, die über Die Welt laufen, aber danach wäre jeder Mensch genesen oder gestorben.

Ethisch und psychologisch ist es nicht tragbar Menschen sterben zu lassen, die man retten könnte. Aber auch hier spielen psychologische, insbesondere Aufmerksamkeitseffekte eine Rolle. Ist es schlimmer wenn ein Kind in Afrika verhungert, oder ist es schlimmer, wenn eine Oma an Corona stirbt? Völlig kalt, rational und logisch beantwortet, finde ich den Tod des Kindes durch verhungern schlimmer. Tatsächlich liegt mir meine Oma aber viel mehr am Herzen, weil ich sie kenne, eine persönliche Beziehung zu ihr habe und ihren Tod mitbekomme. Das Kind in Afrika stirbt im Stillen und berührt mich nicht.

Über mehrere Jahrtausende betrachtet ist COVID-19 eine wenig gefährliche Erkrankung. Die Menschheit hat schon viel furchterregendere Krankheiten überlebt. Die IFR (Infection fatality rate) von SARS-CoV-2 – also die Rate an Menschen, die nach einer Infektion mit dem Virus sterben liegt (auf die Weltbevölkerung) gesehen allerhöchsten bei 2%. Bei jungen und gesunden Menschen unter 60 liegt sie recht sicher deutlich unter 1%. Im Vergleich zu Krankheiten wie der Pest oder den Pocken die 30 bis 90% der Infizierten töten können ist das fast harmlos. Dennoch würden an COVID-19 heute möglicherweise mehr Menschen sterben, als an der Pest im Mittelalter, einfach, weil es so viel mehr Menschen gibt.

Mindestens 98% der Menschen würden die Pandemie also überleben. Jeder einzelne Tod wäre eine persönliche Tragödie. Die Herausforderung dabei besteht im Umgang mit Tod und Sterblichkeit von sich selbst und Familie. Hariri schreibt in Homo Deus recht treffend, dass der Tod in der Vorstellung vieler Menschen der Vergangenheit angehören sollte. Wenn jemand stirbt muss (in der fiktiven Zukunft) jemand „Schuld sein“. Insbesondere dieses Todes-Verbot führt dazu, dass die Variante „Pandemie laufen lassen“ quasi nicht diskutier- oder denkbar ist.

Gesamthaft betrachtet würde „die Menschheit“ eine COVID-19 Pandemie ohne größere Probleme überstehen.

So What?

In Summe führen diese Überlegungen dazu, dass es unter den gegebenen Bedingungen einfach keine Alternative zur Impfpflicht gibt. Die Impfpflicht ist alternativlos. Das wird so lange der Fall sein, bis die Impfpflicht (Alle Impfen + regelmäßig Boostern) zum Erfolg führt und die Pandemie beendet wird. Ich vermute dieses Ziel wird entweder faktisch oder zumindest „offiziell“ erreicht werden. Also entweder endet die Pandemie tatsächlich, oder es gibt andere Themen die noch mehr im Fokus stehen.

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