COVID-19: Auf in den zweiten Mini-Lockdown

Gestern wurden von Bund und Ländern strengere Kontaktbeschränkungen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie beschlossen. 

Für alle von uns bedeutet das, Freunde und Verwandte noch weniger sehen, beim Sport stärker eingeschränkt sein, nicht oder unter erschwerten Voraussetzungen arbeiten.

Die Einschränkungen sollen im November gelten, um die Ausbreitung des Virus SARS-CoV-2 in Deutschland einzudämmen. Ein Monat der Entscheidung sei er, der November. Wenn wir jetzt zusammenhalten und vernünftig sind, ist Weihnachten im Kreis der Familie möglich – so das Narrativ.

Ja! Das Narrativ wird sich erfüllen. Mit strengeren Kontaktbegrenzungen und Verboten für Veranstaltungen im November, werden bis Anfang Dezember die täglich berichteten Infektionszahlen sinken. Wahrscheinlich sinken sie gerade genug, damit Weihnachten „wie gewohnt“ stattfinden kann. Gottesdienste, Familienfeiern, kleinere Urlaubsreisen, Skifahren werden möglich sein. Ein schöner Erfolg.

Dieses Vorgehen eines „Mini-Lockdown“ ist von intelligenten Menschen durchdacht und hat einige Vorteile z.B.:

  • Infektions- und Todeszahlen werden relativ gering gehalten 
  • Es gibt ausreichend wichtige Ziele und Ängste („Kein Weihnachten!“), die zur Selbstbeschränkung motivieren
  • Massive Einschränkungen und Kontrollmechanismen wie in China werden vermieden
  • Die zeitliche Begrenzung und ein absehbares Ende helfen beim Durchhalten

Erfreulicherweise greifen Politiker auf die in den letzten Monaten gewonnenen Erkenntnisse zurück und passen die beschlossenen Maßnahmen an diese an: Schulen und Kindertageseinrichtungen bleiben geöffnet – ein außerordentlich wichtiger Punkt für alle Familien! 

Es gibt dennoch strategische Nachteile dieses Vorgehens und Alternativen, wie sie beispielsweise die  Great Barrington Declaration aufzeigt.

Die beiden wichtigsten Nachteile aus meiner Sicht sind folgende:

  • Die Strategie ist fragil, nicht nachhaltig und von Impfstoffen abhängig
  • Die Strategie schränkt Selbstverantwortung und Entscheidungsfreiheit zu stark ein

Die Strategie ist äußerst fragil und von Impfstoffen abhängig

Wenn das Ziel, dass sich möglichst wenige Menschen mit SARS-CoV-2 infizieren, erreicht wird, ist das sehr erfreulich. Die Nebenwirkung dieses Erfolgs besteht darin, dass es nur wenige Menschen gibt, die mit dem Virus Kontakt haben und natürliche Immunität entwickeln können. 

Nimmt man die aktuellen Zahlen, gab es in Deutschland bisher knapp erkannte 500.000 SARS-CoV-2 Infektionen. Beachtet man die vorhandene Dunkelziffer hatten bisher vielleicht 4 Millionen der rund 80 Millionen Deutschen Kontakt mit dem Virus. Das sind 5% der Bürger. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass 76 Millionen, oder 95% aller Deutschen, noch keinen Kontakt mit dem Virus hatten.

Diese 95% Prozent sind das Risiko-Potential für die dritte, vierte oder fünfte Welle. Herden-Immunität wird häufig dann als erreichbar angesehen, wenn 66% der Menschen immun sind bzw. natürlichen Kontakt mit dem Virus hatten. Bei aktuell vielleicht 5% der Menschen, die nach 6 Monaten Pandemie in Deutschland Kontakt mit dem Virus hatten, ist es ein sehr langer Weg 66% zu erreichen.

So lange dieser Wert nicht erreicht ist, kann es jederzeit zu einer exponentiellen Verbreitung kommen, die in der aktuellen Strategie durch Maßnahmen eingedämmt werden muss. Weihnachten ist ein Zwischenziel, eine Ruhephase, dann baut sich die nächste Welle auf.

Dieses Spiel läuft, bis ein Impfstoff entwickelt und massenweise verfügbar ist. Ein Impfstoff ist der technische Weg zur Herdenimmunität. So lange es keinen Impfstoff oder natürliche Herdenimmunität gibt, sind Einschränkungen und Vorsichtsmaßnahmen alternativlos.

Die große Abhängigkeit von der Verfügbarkeit eines Impfstoffs und das gigantische wirtschaftliche Potential, einen solchen Impfstoff verkaufen zu können, bereiten mir großes Unbehagen. Hier ist so viel Druck und möglicher Vorteil, dass ein Impfstoff um jeden Preis entwickelt werden muss. Gefahren und Nebenwirkungen werden dabei möglicherweise vernachlässigt.

Über Langzeitfolgen von SARS-CoV-2 Impfstoffen kann nur weniger bekannt sein als über Langzeitfolgen von COVID-19 Erkrankungen. Die Wirkdauer und Wirksamkeit von Impfstoffen kann in so kurzen Zeitschienen, wie sie aktuell nötig sind, wohl kaum ausreichend erforscht werden. Hinzu kommt die grundsätzliche Frage, ob gegen SARS-CoV-2 überhaupt ein verlässlicher Impfstoff entwickelt werden kann. Gegen HIV gibt es seit Jahrzehnten keinen Impfstoff (und zugegeben auch weniger Anreiz einen zu entwickeln). Es ist das erste Mal, dass ein Impfstoff gegen ein Corona-Virus entwickelt werden soll.

Und selbst im Erfolgsfall, wenn ein Impfstoff massenweise verfügbar ist bleiben Fragen. Wer wird geimpft und wie wird das entschieden? Müssen sich Menschen impfen lassen um bestimmte Aktivitäten oder Berufe ausüben zu dürfen? Das leitet über zu meinem zweiten Kritikpunkt:

Die Strategie schränkt Selbstverantwortung und Entscheidungsfreiheit zu stark ein

SARS-CoV-2 ist wahrscheinlich das Virus, über das durchschnittliche Bürger in Deutschland mehr wissen, als über alle anderen Krankheitserreger. Es gibt massenweise Forschung zum Erreger, die auch über Tageszeitungen und Blogs verbreitet werden.

Grundlegende Schutzmaßnahmen, wie Handhygiene oder Abstandsregeln werden durch verschiedenste Werbekampagnen publik gemacht und verbreitet. Man kann kaum die Tür verlassen, ohne ein Plakat zu sehen, das zu „AHA“ auffordert.

Wir wissen, wie sich das Virus verbreitet. Wir wissen wir, wie gefährlich es für welche Menschen ist. Hohes Alter, Diabetes, Vorerkrankungen, Übergewicht sind klar identifizierte Risikofaktoren. Wir wissen, dass die Sterbewahrscheinlichkeit nach einer Infektion mit SARS-CoV-2 durchschnittlich sicher unter 1% liegt. – aber für manche Personengruppen deutlich höher sein kann.

All dieses Wissen ist frei verfügbar und erlaubt individuelle Risiko-Einschätzungen. Dieses Wissen erlaubt es, die Entscheidung, wie man sich vor dem Virus schützen möchte in die Hände jedes Einzelnen zu geben.

Sicher, es gibt Personengruppen, die sich auf Grund ihrer persönlichen Situation oder ihres Berufs kaum selbst schützen können oder in exponierten Situationen arbeiten müssen. Für diese Menschen braucht es Unterstützung und Hilfsangebote. Genauso braucht es gemeinsame Regeln für solche Orte, an denen sich viele Menschen begegnen müssen. Die Fokussierung auf genau diese Maßnahmen ist der Kern des Positionspapiers des KBV.

Der Besuch von Restaurants, Theatern, Bars, Kinos, Discotheken, Museen, Fitnessstudios, privaten Feiern ist eine rein freiwillige Angelegenheit. Niemand muss diese Risiko-Orte aufsuchen, jeder kann sie folgenlos meiden. Warum Schließungen erzwingen?

Das Prinzip der Eigenverantwortlichkeit und des Selbstschutzes sollte Priorität haben. Es gibt mehr als ausreichend Möglichkeiten das eigene Risiko einzuschätzen und das eigene Handeln zu steuern. 

Für den Großteil der Bevölkerung sind die Risiken durch das Virus äußerst gering. Eine 99,9% Wahrscheinlichkeit das Virus unbeschadet zu überstehen, ist jedoch keine Sicherheitsgarantie. Auch junge und gesunde Menschen können durch das Virus umkommen.

Dennoch, statt aufgezwungenem Schutz und Kontaktverboten sollte jeder Mensch selbst entscheiden dürfen, ob und wie er sich vor dem Virus schützen möchte, oder nicht. 

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