Psychische Veränderung – Neues statt der Wiederkunft des Gleichen

Nietzsche schreibt in „Also sprach Zarathustra“ von der ewigen Wiederkunft des Gleichen. Jedes Erlebnis, jeder Umstand würde sich unendliche Male wiederholen und immer wiederkehren.

Nietzsche wird als Philosoph betrachtet – aber was, wenn man ihn als Psychologen interpretiert, wie Irvin D. Yalom das in seinem wunderbaren Buch „Als Nieztsche weinte“ tut? 

Dann wird aus der metaphysischen eine psychologische Wiederkunft des Gleichen. Erlebnisse wiederholen sich nicht in verschiedenen Leben, sondern in einem – in meinem Leben.

Das Gefühl etwas schon mal erlebt zu haben, kennt jeder als Déjà-Vu. In der Transaktionsanalyse und Psychologie werden sich wiederholende Handlungen Skript oder Schema genannt. Skripte und Schemata sind hilfreich und notwendig, um den täglichen Alltag bewältigen zu können. Skripte und Schemata können aber auch zu Leid führen.

Ein Psychologisches Problem ist häufig nichts anderes, als die (unbewusste), zwanghafte Wiederholung von Handlungen oder Erlebnissen. Die Psychoanalyse spricht hier von Wiederholungszwang. Die Alternativlosigkeit der Handlung oder des Erlebens ist der Ursprung des psychischen Leids.

Bessel van der Kolk erklärt in „Verkörperter Schrecken“, dass Flashbacks traumatisierter Menschen genau solche Wiederholungen sind. Ein Flashback ist die zwanghafte, überwältigende, ewige Wiederkunft des gleichen traumatischen Erlebnisses – mit dem immer gleichen schrecklichen Ausgang. 

Dieses Erleben ist körperlich, neurobiologisch abgespeichert und wird wie ein Film immer wieder abgespielt, wenn ein passender Reiz im Außen vorhanden ist. Eine Veränderung solcher Muster ist möglich, braucht aber prozessuale Aktivierung des traumatischen Erlebens (Roth und Ryba).

Heilung entsteht, wenn Trauma-Erlebnisse nicht mit dem immer gleichen schrecklichen Ausgang, sondern einem neuen, beruhigenden oder vergebenden Ausgang erlebt werden. Dieses Erlebnis zu ermöglichen und zu begleiten, ist die eigentlich Kern-Aufgabe von Therapeuten und Coaches.

Ein anschauliches Beispiel für diesen Prozess – mit anderen Vorzeichen – bietet die Fernseh-Serie Lucifer. Die ewige Wiederkunft des Gleichen ist das definierende Kriterium der Hölle: Tote Menschen stecken in ihrem persönlichen Höllenraum und erleben immer wieder, für alle Ewigkeit, ihren eigenen Tod. 

Jedoch, die Tür zu diesem Raum ist unverschlossen – ein Ausweg ist jederzeit möglich. Die Voraussetzung diesen Ausweg zu erkennen ist, die eigene Schuld zu akzeptieren und sich selbst zu vergeben. 

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